Holunderpflanze
Holunder
Vom Knospenansatz bis zur dunklen Beere

Holunder zeigt sich in Etappen — als feiner Knospenansatz, als rahmweiße Dolde, als goldene Limo, als kleines Küchlein und schließlich als dunkle Beere im September.
Holunder ist eine Pflanze, die in Etappen kommt. Erst die feinen, grünen Knospen — kaum sichtbar, ein verhaltenes Versprechen. Dann die Dolden, weit geöffnet, voller Duft und Sommerlicht. Dann die Beeren, dunkel und schwer, am Ende eines warmen Sommers.
Wer Holunder durchs Jahr begleitet, lernt etwas über Geduld und über Wandlung. Dieselbe Pflanze, die im Juni hell und federleicht über den Wegen steht, neigt sich im September voll und dunkel zur Erde. Aus Duft wird Saft. Aus Weiß wird Schwarz.
Wir setzen die Blüten gerne mit Wasser, Zitrone und Orangenscheiben an. Die Dolden geben sich in den ersten Stunden noch zögerlich, dann immer großzügiger — bis das Wasser am nächsten Tag golden, blumig und sommerlich schmeckt. Eine Limonade, die nach Wiese und Nachmittag riecht.
Auch in der Pfanne hat Holunder seinen Platz. Die ganzen Dolden, in einen leichten Teig getaucht und kurz ausgebacken, werden zu Holunderküchlein — eine kleine, fast vergessene Form, die Pflanze zu essen. Knusprig außen, blumig innen. Ein Gruß aus einer langsameren Küche.
Im September dann die Beeren. In Brandenburg hängen die Sträucher schwer, die Dolden neigen sich, die Vögel beginnen zu ernten. Wir nehmen einen Teil mit nach Hause — für Saft, für Sirup, für die dunkle, herbstliche Wärme, die der Holunder in sich trägt.
Vielleicht ist genau das die Lehre dieser Pflanze: dass das Helle und das Dunkle, das Leichte und das Schwere zusammengehören. Dass derselbe Strauch beides trägt. Und dass eine Pflanze ein ganzes Jahr lang Begleiterin sein darf, nicht nur einen Augenblick.
Bilder durchs Jahr

Holunder kurz vor der Blüte — die Knospen tragen das Versprechen. 
Blüten im Ansatz — mit Wasser und Orangen wird daraus Limonade. 
Holunderblüte ganz nah — Sterne in Sahnefarbe. 
Die fertige Holunderlimo — Sommer im Glas. 
Holunderküchlein — die ganze Dolde im leichten Teig. 
Holunderbeeren im September in Brandenburg. 
Der Strauch trägt schwer — Beeren über Beeren. 
Die Ernte — Dolden in den Beutel, ab nach Hause.

